Zuhause

Ich schlage meine Augen auf. Ich bin noch vorm Weckerklingeln wach. Wie eigentlich jeden morgen. Ich hasse es, vom Wecker geweckt zu werden und trotzdem stelle ich mir morgens drei Stück, zu verschiedenen Uhrzeiten, in der Angst doch zu verschlafen. Dabei weiß ich genau, dass mir dies so gut wie nie passieren wird. Es ist Frühsommer, irgendein Tag anfang Juni, ich weiß nicht genau welcher. Die Betthälfte neben mir ist leer. Die Decke zerwühlt und ich muss unwillkürlich grinsen. Durch die dunklen Vorhänge dringt das Sonnenlicht und ich kann die Vögel zwitschern hören. Langsam rolle ich mich aus dem Bett und ziehe vorsichtig die Vorhänge auf. Ich hasse geschlossene Vorhänge. Ich habe es am liebsten, wenn ich die Augen aufschlage und gleich aus dem Fenster schauen kann. Wenn ich die Nächte alleine verbringe ziehe ich sie nie zu. Ein weiterer Blick auf die Uhr lässt mich wissen, dass ich noch genug Zeit habe, trotzdem kenne ich mich so gut, dass ich so herumtrödeln werde, dass ich am Ende wie immer zu spät das Haus verlasse. Ich schalte mein Radio von 1993 im Badezimmer ein und stelle fest, dass es mir wirklich gut geht. Dass ich mich zu Hause fühle. Dass ich glücklich bin, obwohl heute Dienstag ist und die Woche noch lang sein kann.
Unbenannt

 Ich habe mich, seitdem ich in diese kleine 2 Zimmerwohnung gezogen bin, nie wirklich wohl gefühlt.  Diese Kleinstadt, kurz vor Hamburg, meine Wohnung und ich das passt einfach nicht.
Am Anfang, letztes Jahr im April, als die Entscheidung fiel, in diese Wohnung, in diese Gegend zu ziehen, war ich voll motiviert, alles zu meiner Heimat zu machen. Aber es klappte einfach nichts. Alles war völlig fremd, ich fühlte mich nicht angekommen und sah alles nicht als mein zu Hause an. Irgendwann hatte ich auch überhaupt keine Lust mehr, die Wohnung schön einzurichten. Wozu auch?, dachte ich mir. Für mich war klar, dass ich so schnell wie möglich wieder weg will.
Ich kannte einen Garten, hatte aber nur einen Balkon. Ich bin mit Katzen aufgewachsen. Durfte meine aber nicht mitnehmen, da sie die Freiheit kennt und diese Wohnung einfach nicht gerecht für sie wäre. Zudem hasste ich meine Nachbarn. Und das waren nur drei Punkte von vielen die mich störten und daran hinderten, mich zu Hause zu fühlen.
Heute ist für mich ein Balkon viel wichtiger als ein Garten. Ich habe das Gefühl, dass man viel schneller draußen ist. Und ich trauere meiner Katze immer noch hinterher, dafür rennt sie mir jedes mal wenn ich zu meinen Eltern fahre entgegen. Und über die Nachbarn, vondenen doch nur die Hälfte komisch ist, wird sich heute nur noch lustig gemacht. Und welche Lachanfälle hätte ich verpasst wenn der Nachbar neben uns nicht wäre?

nmnbvcx Es brauchte fast ein Jahr, bis ich sagen kann, dass ich angekommen bin. In meiner Wohnung. Nicht in dieser Gegend. Die Gegend in der ich wohne, diese Kleinstadt, die nichts halbes und nichts ganzes ist, dieser Ort und ich, wir werden nie Freunde werden. Ich sehe diesen Ort eher als zwischenstopp. Dafür aber meine Wohnung als zu Hause. Ich liebe Hamburg, aber mein Herz schlägt für Berlin. Ich weiß, dass ich irgendwann, in nicht allzu langer Zeit, meine Kleinstadt verlassen werde, um in Hamburg zu leben und ich weiß, dass ich Berlin irgendwann, auch wenn es in dreißig Jahren sein wird, mein zu Hause nennen kann. Aber bis dahin, bis dahin bin ich hier glücklich. In meiner Wohnung. Wenn ich meine Wohnungstür aufschließe, meine Tasche in die Ecke werfe und mich auf den Küchenstuhl fallen lasse weiß ich, dass das hier, mein zu Hause ist. Dass ich mich in meiner Wohnung wohl fühle und sie am liebsten bei jeden Umzug mitnehmen will.

Kommentare

  1. Total schöner Post. Gefällt mir sehr gut <3
    Alina // alinacorona.de

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  2. Schöner Post- du schreibst sehr schön! :)
    Liebste Grüße
    Jasmin
    https://littlethingsbyjasmin.blogspot.de/

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  3. So ein toller Post, du hast so unglaublich schöne Worte zu dem Thema gefunden.
    Die Bilder sind einfach ein traum.

    schau dir gerne meinen aktuellen Sommer-Post an mit meiner Sommerpflege-Empfehlung

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  4. Der Post ist so schön geschrieben und auch die Bilder sind super :)

    Liebe Grüße,
    Lisanne von https://xxthesweetsideoflife.blogspot.de/

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  5. Toll geschrieben! Das mit dem Garten kenne ich, da versuche ich mich auch gerade noch dran zu gewöhnen.

    Liebe Grüße
    Laura♥
    sparklingpassions.de

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  6. Wow, super geschrieben und ich kann das richtig gut nachfühlen! Da ich auf einem Bauernhof wohne, bin ich dran gewöhnt, einen riiiesigen Garten mit Hund und Katzen zu haben und will eigentlich auch nicht auf Dauer drauf verzichten. Also ich bewundere dich dafür, dass du dich an deine Wohnung gewöhnt hast!

    Alles Liebe,
    Marianne

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  7. Wirklich sehr schön geschrieben!!
    Alles Liebe ♥
    River of Life

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  8. Was du schreibst kann ich gut nachempfinden. Noch bin ich zwar nicht ausgezogen, aber bald wird es so weit sein und da kann ich mir gut vorstellen, dass am Anfang erst einmal alles fremd scheint und man sich zunächst nicht wohl fühlt. Allerdings braucht es eben immer seine Zeit um sich an neue Umstände zu gewöhnen. Es freut mich auf jeden Fall für dich, dass du dich in deiner Wohnung jetzt zuhause fühlst, das muss ein schönes Gefühl sein.
    Und deine Liebe zu Berlin teile ich auch und es ist ebenfalls eins meiner Ziele dort eines Tages fest hinzuziehen. Am liebsten in eine Wohnung mit Dachterrasse nach Kreuzberg.. An dieser Stelle könnte ich jetzt ewig weiter schwärmen:D
    Liebe Grüße
    https://soulstories-amandalea.blogspot.de/

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    1. Am Anfang ist es wirklich schrecklich, haha. Also so war es bei mir!
      Oh ja, davon träume ich auch. Und am besten dann noch ein Altbau! :-)

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  9. So ein schöner Text! Es freut mich, dass du dich nun zu Hause und angekommen fühlst :) Manchmal braucht das eine Zeit <3

    Liebe Grüße, Caro :*
    http://nilooorac.com/

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  10. Super, dass du dich jetzt zu Hause fühlst! Manchmal dauert es ebene eine ganze Weile, bis man einen Ort sein zu Hause nennen kann. Und es freut mich auch, dass du gerne schaukeln etc. gehst :). Ich glaube, dass einen diese Dinge einfach an schöne Momente in der Kindheit erinnern und man sie deswegen wieder einmal ausprobieren will. Viele Grüße :)

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  11. oh mein Gott das sind ja traumhaft schöne Bilder. schön, dass du einen Ort hast, den du dein zu Hause nennen kannst
    http://carrieslifestyle.com

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