Wie ich meine Essstörung besiegte

Warum sprechen alle im Internet von #bodypositivity, wenn man zum Beispiel in manchen Läden, ausschließlich die die Einheitsgröße Small finden kann. Wie oft lese ich, dass Menschen, die normal sind, die Kurven, einen schönen Körper haben, die vielleicht die Hosengröße 40 tragen, einfach als dick abgestempelt werden? Wieso werden Models mit einer Kleidergröße über 38 weniger gebucht? Wieso werden diese Menschen nicht so gerne angesehen? Wieso sind diese Menschen gefühlt weniger wert? Dann frage ich mich doch, in was für einer Welt leben wir hier?
Alina ,von dem Blog Selfboost und ich haben uns in der letzten Zeit ein paar Gedanken über Themen gemacht, die man lieber totschweigt, als über sie zu schreiben. Zusammen wollen wir mit unseren Beiträgen ein bisschen hinter die scheinbar perfekte Fassade der Menschen blicken lassen, um zu zeigen, dass eben nicht immer alles perfekt ist und eventuell auch, um dem einen oder anderen zu helfen.

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Es gibt so viele Frauen, die außerhalb der Größe 36-38 liegen und tagtäglich kämpfen. Kämpfen mit sich. Mit den Gedanken ums Essen. Alles dafür, um den scheinbar perfekten Körper zu bekommen. Darum, akzeptiert zu werden. Es gibt so viele, die sich dafür hassen, weil sie  einfach nicht in das Kleid, in Größe 34 passen. 
Und das diese Frauen, mit Sicherheit auch einigen Männern darunter, sich so fühlen liegt meiner Meinung nach nicht an ihnen, oder daran das sie gar hässlich sind. Das ist völliger Bullshit!
Ich passe auch nicht in die Kleidergröße 36. Und wenn mir manchmal die 38 zu eng ist, schäme ich mich nicht dafür, die 40 zu nehmen. Und ja, ich weiß, diesen Text werden jetzt viele lesen. Und nein, ich schäme mich verdammt noch mal nicht dieses hier zu schreiben, denn ich habe auch miterlebt, wie es ist in eine 32 zu passen. Es war nicht schön.

Es begann mit 15 Jahren. Und den genauen Grund weiß ich nicht. Ein paar Aspekte, die ich oben beschrieben habe spielten eine Rolle und auch ein paar andere. Ich war 15 und ich hatte die Nase voll. Meine Oberschenkel zu dick, mein Gesicht zu rund und mein Bauch ebenfalls zu dick. Und manche Kommentare bestätigten diese Gedanken auch. Ich beschloss, von dem einen auf dem anderen Tag weniger zu essen. Zuerst bekam ich meine ersehnten Komplimente. Irgendwann kamen besorgte Kommentare. Mein Ziel war es, im Untergewicht zu liegen und dieses Ziel hatte ich in innerhalb weniger Monate erreicht. Ich trug Hosen in Größe 32 und 34. Aber war ich glücklich? Oh nein! Es war ein Kampf! Es war ein Kampf mit dem Essen, mit der Waage, mit allen Menschen um mich herum. Meine Laune war bestimmt von der Zahl auf der Waage, die ich mehrmals am Tag kontrollierte. Wenn ich auch nur 100g zunahmm hasste ich mich dafür und musste noch weniger, bis gar nichts mehr essen. Diesen Hass musste ich an meinem Körper auslassen. Wenn man genauer hinschaut, sieht man die Narben. Ich musste andauernd die Menschen anlügen, die ich liebe. In diesem Leben gab es keine Lebensfreude. Es gab auch keine Menschen mehr um mich herum. Es gab nur noch die Zahl auf der Waage, das Essen und meinen Körper.
Und es dauerte vier Jahre. Ich war 19 Jahre alt, als ich sagen konnte, dass ich dieses Monster in mir besiegt hatte. 

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3 Dinge die mir geholfen haben gesund zu werden

Der Wunsch zu leben
Ich erinnere mich an viele Tage, an denen ich frierend vor meiner Heizung saß und einfach zu nichts fähig war, weil ich viel zu schwach war, meine Gedanken nur um meine nächste Mahlzeit kreisten, mein Magen vor Hunger schmerzte und mein Kreislauf komplett unten war.

Freunde und Familie
Soziale Kontakte gab es so gut wie keine mehr, weil ich immer Angst hatte, essen zu müssen. Oft war ich bis mittags, wenn nicht sogar frühen Nachmittag in meinem Zimmer und habe mich nicht mehr herausgetraut, aus der Angst eine Mahlzeit mit meinen Eltern mitessen zu müssen.

Glücklich sein
Man kann nicht glücklich sein, wenn die Laune von einer Zahl bestimmt wird. Oft saß ich weinend in meinem Zimmer, weil ich selbst nicht mehr weiter wusste.

Ich schrieb diese Zeilen am 21.12.2012
Ich weiß, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Ich weiß, dass dies kein Leben mehr ist, was ich zur Zeit führe. Ich schade nicht nur mir, sondern auch meiner Familie. Ich habe Mama und Papa versprochen zu Essen. Aber wie kann man etwas versprechen, wenn man weiß, dass man es nicht halten kann? Ich kann spüren, wie mich die Magersucht von innen auffrisst und ich kann nichts dagegen tun. Selbst wenn ich es wollte, kann ich nicht. Ich will nichts mehr, als wieder glücklich sein und leben. Aber es geht nicht, auch wenn ich es noch so sehr will, denn dann muss ich wieder essen. Dann werde ich wieder fett. Ich bin nicht stark genug um gegen dieses Monster, was nun in mir wohnt, anzukämpfen. Und vielleicht ist der Wunsch, dünn zu werden auch stärker und wichtiger (??)


neuerpost10 Aus dieser Zeit habe ich gelernt, dass das Leben so wertvoll ist und dass absolut kein Mensch nach seinem Körper zu beurteilen ist. Jeder hat das Recht darauf sich wohl zu fühlen. Ob es nun in einer Größe 34 oder 44 ist. Jeder ist auf seine Art wunderschön. Und es gibt nichts geileres, als abends vor dem Fernseher Schokolade zu essen, oder sich einfach mal Pizza zu bestellen, weil man Bock drauf hat. Und das sind nur zwei von vielen unglaublich geilen Dingen, die ich mir Jahrenlang verboten habe.

Ich hoffe, dieser schon etwas andere und vor allem lange Beitrag hat euch gefallen.
Lest doch auch sehr gerne den Beitrag von Alina 

Kommentare

  1. Erstmal Respekt an dich, dass du es da raus geschafft hast und danke dafür, dass du dieses sehr private Thema hier öffentlich teilst. Ich hatte selbst auch Magersucht und habe das Alles genauso erlebt wie du, habe auch vor das Thema noch auf meinem Blog anzusprechen. Es ist doch echt erschreckend wie viele junge Mädchen vor Allem, mittlerweile an einer Essstörung leiden oder gelitten haben! Da sollte man sich echt mal fragen, wie viel die Gesellschaft, social media etc dazu beitragen. Meiner Meinung nach gibt es keine viel schlimmere Krankheit als Magersucht, Bulimie etc. Ich spüre heute noch die Folgen davon, weil ich mir meinen Zyklus durch die Magersucht komplett versaut habe und meine Tage immer noch nicht habe. Allerdings ging es bei mir ,,nur" ein Dreivierteljahr lang, ab dann habe ich wieder angefangen normal zu essen. Vier Jahre ist echt heftig, wie du schon schreibst, da hat man keine Lebensfreude mehr. Wenn ich dich fragen darf, wie sieht es heute bei dir aus, bezüglich deinem Verhältnis zu Essen? Ich kann von mir sagen, dass ich absolut normal esse und mir auch nicht wirklich mehr viele Gedanken über Kalorien etc mache, allerdings ertappe ich mich trotzdem ab und zu noch dabei, dass ich nach einer Pizza whatever manchmal noch dieses schlechte Gewissen habe, frag mich ob das jemals ganz weggehen wird. Bist du davon komplett befreit?
    Ganz liebe Grüße
    https://soulstories-amandalea.blogspot.de

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  2. Vielen lieben Dank für dein Kommentar!
    Ich habe dir einfach mal eine Mail geschrieben um auf alles etwas genauer einzugehen. :-)

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  3. Sehr toller Post! Danke für deine Offenheit ❤️

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  4. So ein toller Post! Du kannst wirklich stolz darauf sein, dass du es aus der Essstörung rausgeschafft hast, denn das ist wirklich nicht einfach. Hattest du eigentlich therapeutische Hilfe? (ich hoffe, die Frage ist in Ordnung). Ich hoffe sehr, dass die Gesellschaft aufhört so viel nach dem Äußeren zu bewerten, denn wir sind so viel mehr als das!

    LG Elisa

    pinkelley.blogspot.de

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    1. Vielen Dank! & nein, ich habe mir mehr oder weniger allein da raus geholfen. :-)

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  5. Du kannst stolz auf dich sein! Es ist erschreckend zu sehen wie Gesellschaftskonform die meisten doch sind.
    Liebste Grüße,
    Yasmin

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    1. Vielen Dank für dein Kommentar! Und ja, ich finde es auch erschreckend..

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  6. Es ist so schön wie du mit diesem Thema umgehst, so ehrlich und authentisch.
    Man merkt dir deine Lebensfreude absolut an und ich finde gerade den Punkt mit den Launen und dem Glücklich sein so schön, da hatte ich wirklich Tränen in den Augen.
    Ich weiß nicht wie andere Generationen es hatten oder haben werden aber ich fand es immer sehr schwer aufzuwachsen und mit mir zufrieden zu sein. Auch jetzt, als erwachsene Frau finde ich es schwer, meinen Körper zu akzeptieren.
    Über all sieht maan schlanke Menschen, operierte Körperteile, scheinbar hat man nur noch erfolg wenn man aussieht wie ein Instagram fintessmodell....
    Ich hatte in meiner Jugend auch mit einer schlimmen Essstörung zu Kämpfen. Die mich leider bis heute oft verfolgt und einholt aber dein Post hat mir dann doch wirklich Kraft gegeben. Es ist schön zu wissen, das mehr leute das selbe "Problem" teilen und kämpfen :D

    alles Liebe deine Amely Rose schau dir gerne meinen London Vlog an

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    1. Vielen lieben Dank! :-) Es ist auch verdammt schwer mit seinem Körper im reinen zu sein und ich bin es auch noch lange nicht, aber auf dem Weg dorthin.
      Und ich freue mich, dass ich dir etwas kraft gegeben habe! Und nein, du bist mit deinen Problemen absolut nicht alleine.

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  7. Du hast meinen vollsten Respekt und du kannst so unfassbar stolz auf dich sein, für das, was du erreicht hast! Fühl dich von mir einmal ganz doll umarmt! ♥︎
    Ich selbst habe seit ich denken kann mit essgestörten Gedanken zu kämpfen, wurde dann mit 13 mit Magersucht diagnostiziert, mit 14 war ich dann stationär in einer Klinik und mit 15 kam Sportbulimie dazu. Nach etlichen Rückfällen bin ich jetzt seit drei Jahren auf einem gesunden Gewicht, aber ich würde lügen, wenn ich sage, ich akzeptiere meinen Körper und habe gar keine essgestörten Gedanken mehr. So viel habe ich mir damit kaputt gemacht, ich bin nicht mal mehr gewachsen und mein Körper hat sich nie in die "weibliche Richtung" entwickelt, darunter leide ich am meisten und ich muss definitiv noch einen Weg finden, das zu akzeptieren.
    Wir alle sind mehr als unsere Krankheit, mehr als unser Aussehen und ich danke dir für deine Offenheit, du hast mir mit diesem Post auch nochmal Kraft mitgeben können :-)
    Liebst, Lea.

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    1. Vielen lieben Dank! :-)
      Respekt, dass du das hier so offen schreibst! Und ich kann es so gut nachvollziehen, dass deine Gedanken noch um dieses Thema kreisen. Ich finde, es ist schon einmal ein großer Schritt in die richtige Richtung, dass du einsiehst, was die Krankheit gemacht hat. Und den Rest wirst du auch noch schaffen! Fühl dich gedrückt von mir! :-)

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  8. Wow, ich finde es super ,dass du darüber sprichst !
    & anderen somit Mut machst !

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  9. Ich bin so stolz auf dich, dass du das geschafft hast. Ich bewundere dich sehr, ich denke das es sehr schwer ist da wieder heraus zu kommen. Toller Post meine Liebe! Danke fürs teilen!
    Allerliebste Grüße,
    liqesse von www.liqesse.blogspot.de

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  10. Ich finds super, dass du deine Geschichte mit dem Internet teilst. Ich hoffe viele junge Menschen, denen es ähnlich geht wie dir damals werden diesen Post lesen. Es ist wahnsinnig beeindruckend, dass du aus dieser Situation aus eigenem Willen herausgekommen bist. Viele erkennen ihr Problem häufig nicht von alleine und dann ist es wahnsinnig schwer diese Menschen zu erreichen.
    Liebe Grüße
    Anneke

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    1. Ich stimme deinen Worten voll und ganz zu! Und ich hoffe sehr, dass ich mit meinem Post den einen oder anderen helfen kann.

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  11. Finde es sehr beeidnruckend, wie du den Weg allein daraus bestritten hast. Super tolle Entwicklung und tolle Worte !

    Viele Grüße,
    Lara ♥

    http://www.momentforlifetime.blogspot.com

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  12. Toller Beitrag, liebe Anna! Du kannst stolz auf dich und das sein, was du geschafft hast! :)
    Liebe Grüße,
    alina von http://alinapunkt.blogspot.de/

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