Wenn alles zu viel wird

In diesem Moment sollte ich eigentlich im Französischunterricht sitzen. In diesem Moment könnte ich aber auch für Mathe lernen, die Wäsche aufhängen, die Wohnung aufräumen, meinen Abwasch machen, den leeren Kühlschrank füllen, meine Tasche packen, ein Referat vorbereiten oder meine Haare föhnen, die mir auch noch nass über die Schultern hängen. Ich sollte eigentlich auch mal wieder schlafen, da vier bis sechs Stunden lange nicht ausreichend sind. Stattdessen sitze ich vor meinem PC, schwänze die Französischstunde und trinke einen Energy, damit ich hoffentlich im Deutschunterricht konzentrationsfähig bin. Ich glaube öfter wie in den vergangenen Monaten habe ich mich nie gefragt: Wie viel stress kann ein Körper mitmachen? zsvsubxx

Das sind alles Dinge, die ich machen sollte. Die Dinge, die ich normal auch mache. Ich stehe genau genommen seit 6 Monaten durchgehend unter Strom. 24/7 muss ich funktionieren und das tue ich auch. Wenn das nicht der Fall ist, bleibt irgendwas auf der Strecke (so wie jetzt).Wenn dies nicht der Fall ist, wenn ich meine eigenen Erwartungen nicht erfülle, bin ich enttäuscht von mir. Und vielleicht habe ich im Moment ein bisschen zu hohe Erwartungen.
Ich stehe um 06:30 Uhr auf und falle abends zwischen 23:00 und 23:30 Uhr ins Bett. Zuerst habe ich mir eingeredet, dass alles ja recht entspannt ist. Irgendwann habe ich es aufgegeben. Habe einfach festgestellt, dass ich in diesen 17 Stunden so gut wie nie eine Pause habe, in der ich mich entspannt zurücklehnen kann. Diesen Beitrag schaffe ich zu tippen, weil ich Französisch schwänze. Ich schwänze Französisch aber nicht deshalb, weil ich diesen Beitrag verfassen will. Ich schwänze Französisch, weil ich festgestellt habe, dass es so nicht weitergehen kann. Wenn man vor Stress das Essen vergisst, nicht durchschlafen kann und viel zu viel raucht, als man eigentlich sollte (mal davon abgesehen, dass man es besser gar nicht tun sollte) stimmt irgendwas nicht. Letzten Donnerstag habe ich nach der Deutschstunde fluchtartig das Gebäude verlassen, weil ich plötzlich das Gefühl hatte, nicht mehr atmen zu können. Die Kontrolle über alles zu verlieren. Und ich hasse Kontrollverlust.

Ich schwebe im Moment irgendwie zwischen "Mir geht es total gut und ich lebe einfach" und "Ich bekomme einen Nervenzusammenbruch und weiß nicht mehr, wie ich alles schaffen soll". Diese beiden Zustände wechseln sich ab und der Negative überwiegt in letzter Zeit zu sehr. Ich habe mich so oft bei der Frage ertappt, wie man weiter machen soll, wenn es nicht mehr geht. Die Antwort liegt eigentlich auf der Hand. Gar nicht. Wenn es nicht mehr geht, sollte man eine Pause einlegen. Ich kann aber nicht einfach die Stopp-Taste drücken, zwei Wochen zu Hause bleiben und einfach nichts tun. Ich kann aber Prioritäten setzen. Meine Erste war es, übers Wochenende einfach mal den Flugmodus anzustellen. Handy, Handy seinzulassen und das Wochenende mit meinem Freund zu genießen. Es war das Beste, was ich tun konnte. Auf Instagram habe ich es ebenfalls einmal angesprochen und ihr habt es bestimmt auch schon bemerkt. Hier herrscht zur Zeit eine komische Stille, die es so noch nie gegeben hat. Ich weiß nicht, wie lange diese Unregelmäßigkeit meiner Beiträge noch dauert. Ich weiß nicht, wann meine Welt sich wieder langsamer drehen wird. Aber bis dahin, wird diese Stille und diese Unregelmäßigkeit noch etwas bleiben.

Kommentare

  1. Oh, schön über deine Gedanken zu erfahren, obwohl sie diesmal sehr rührend und traurig waren. Deine kleine Auszeit klingt gut. Kein Stress mit dem Blog, das wichtigste ist es, dass es dir gut geht. Wenn dann noch Kraft für's Bloggen übrig bleibt, dann ist gut.
    Viel Kraft!
    Liebe Grüße,
    Vanessa

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  2. Hi Anna, ich kann deine Gedanken wirklich wahnsinnig gut nachvollziehen, denn mir geht es gerade ähnlich. Ich fühle mich so, als hätte der Tag nicht genügend Stunden für all das, was ich schaffen möchte (und auch sollte). Dann kommt innere Unzufriedenheit zu dem ganzen Stress und das ist ja auch nicht gut. Nehm dir ruhig die Zeit, die du für dich brauchst und setze dich zumindest mit dem Blog nicht unter Druck :) Liebe Grüße, Julia

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  3. Ich habe mich selbst Ende 2017 in so einer Situation wieder gefunden.. Es war so schwer für mich damit aufzuhören und mich einfach wieder entspannen zu können.. aber es funktioniert dann doch besser :) <3
    Alles Liebe, Lea von http://leachristind.blogspot.com

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  4. Liebe Anna,
    dass du gerade in so einer Stresssituation steckst, tut mir wirklich Leid! 2017 war für mich auch ähnlich und manchmal ist es nur eine kleine Veränderung, die dann tatsächlich alles besser macht. Jetzt, drei Monate später, geht es mir schon wieder viel besser.
    Ich bin mir sicher, dass sich der Stress bei dir bald wieder beruhigen wird und du wieder ruhig im Deutschunterricht sitzen kannst, ohne panisch zu werden. Alles Gute und viel Kraft! Du schaffst das!
    Alles Liebe!

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  5. Ach Anna das hört sich jetzt so semi-gut an .. Ich wünsche dir den Mut "Pflicht" mal "Pflicht" sein zu lassen und drauf zu schei*en :). Eine saubere Wohnung, eine gute Note ist nicht mehr wert als die eigene Gesundheit. Prioritäten setzen und mal das Handy ausmachen ist auf jeden Fall ein super Schritt. Ich erwische mich auch immer wieder wie ich in solche Stresszeiten rutsche, die Kontrolle verliere und sie so dringend zurück möchte. Aber das Leben lässt sich nicht immer kontrollieren leider. Vielleicht hilft dir Yoga, Meditation oder so ? Wünsche dir nur das Beste.

    Liebste Grüße,
    Alina von Selfboost

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  6. In die Situation kann ich mich nur allzu gut reinversetzen! Diese Gefühle hatte ich in den letzten Wochen auch sehr oft. Und ja, das einzige, was man machen kann, ist prioritäten zu setzen. Wobei es wesentlich schöner wäre, dem Tag mehr Stunden geben zu können ;-)

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  7. Die Situation kenne ich zu gut und sie hat bei mir mit dem Abbruch meines Studiums geendet. Und das war richtig!
    Ich hab zumindest danach gelernt, nicht mehr so perfektionistisch sein zu wollen und nach Hilfe fragen zu dürfen. Man darf keine Angst davor haben etwas falsch zu machen oder nicht gut genug. Und auch keine Angst davor zu haben, nach Hilfe zu fragen, nur weil man dann schwach wirkt.
    Meine Mom hat mir in der Zeit den TED Talk von Amanda Palmer gezeigt, welcher mir sehr geholfen hat.
    Momentan gibt es auch eine Netflix Doku namens Take your Pills welche ich wirklich sehr aufschlussgebend über unsere heutige Gesellschaft fand, dass sie nur noch auf Leistungen und menschlichen Ressourcen basiert.
    Wenn du etwas Zeit findest, kannst du dir ja mal beides anschauen :)
    Bis dahin wünsche ich dir viel Durchhaltevermögen!

    xx
    Josie von Warm Winters

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  8. Ein sehr toller und ehrlicher Post!
    Alles Liebe, Marie💗
    http://mariedyness.blogspot.de/

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  9. Danke, dass du so intime Gedanken mit uns teilst!
    Ich finde, wir sollten uns alle mal eine verdiente Auszeit nehmen. Zeit, die wir nur mit uns selbst verbringen. Manchmal muss man sich selbst auch etwas kennen lernen :)

    Hab eine tolle & erholsame Woche!
    Liebste Grüße, Katharina
    Hier gehts zu meinem Blog

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  10. Ein wirklicher rührender Post. So eine Phase hatte ich damals in der Schule auch! Allgemein ist das Leben viel zu kurz für all das, was man mal erleben möchte. Viel zu sehr muss man meine seine wertvolle Zeit mit unnötigen kleinen Aufgaben vertrödeln.

    Ich hoffe, dir geht es bald wieder besser.

    Liebste Grüße von Vivian

    https://bloggaholica.blogspot.de/

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