Thoughts: Warum ich keinen Alkohol trinke

"Und du trinkst jetzt auch noch einen Kurzen", sagt sie, hält mir die halbvolle Flasche mit  Alkohol vor die Nase und gießt mein Glas schon randvoll, bevor ich etwas erwidern kann. "Eigentlich möchte ich gar nichts mehr", sage ich mit einem leichten Lächeln und schiebe das Glas von mir weg. Alle Augenpaare schauen mich verständnislos an. Langweiler kann ich darin lesen.


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 Vor fast zwei Jahren habe ich beschlossen weniger Alkohol zu trinken. Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich auf jeder Party getrunken und war auch so gut wie immer betrunken. Es gibt viele Nächte, von denen ich nur noch einen Bruchteil weiß. Es gab Zeiten, da ging es beihanhe jedes Wochenende so und am nächsten Morgen hat man sich geschworen nie wieder zu trinken. Am Freitag darauf war alles wieder vergessen. Irgendwann habe ich gemerkt, dass mein Körper das Ganze nicht mehr so einfach wegsteckt. Mir ging es am nächsten Tag, oder gar schon am Abend richtig schlecht. Mein Körper rebellierte. Meistens zeigten Magenschmerzen mir, dass es zu viel war und ich dringend aufhören müsse. Diese Magenschmerzen begleiteten mich dann auch den Nächsten, wenn nicht sogar den Übernächsten Tag. Aber wie soll es anders sein? Man ist jung und dumm und macht einfach weiter. Man will schließlich nicht als Spielverderber oder gar Langweiler darstehen. Was bringen denn schon Trinkspiele, wenn man nur Cola trinkt? Man möchte einfach dazugehören. 

Ich weiß nicht, was genau der Wendepunkt bei mir war. Vor über einem Jahr habe ich einfach für mich beschlossen dann aufzuhören zu trinken, wenn ich von dem Alkohol leicht etwas merke. Ich erntete komische Blicke und den einen oder anderen dummen Kommentar. Aber es hielt sich alles noch in Grenzen. Ich trank schließlich immer noch mit, aber nicht mehr die Massen. Das ist gerade noch Akzeptabel für viele. So lernte ich langsam meine Grenzen kennen. Ich kann nun von mir behaupten zuletzt im Sommer 2015 betrunken gewesen zu sein.
Ich habe mich etwas damit auseinandergesetzt, was Alkohol dem Körper antut. Wenn man überlegt, dass der Körper einer Frau pro Stunde etwa 0,1 Promille abbaut, kann man sich ja selbst ausrechnen, wie lange es dauert bis man vollständig nüchtern ist.

Mich störte es, dass ich letztendlich nur noch deshalb etwas mittrank, damit ich nicht als Langweiler darstehe. Anfang letzten Jahres habe ich schließlich gesagt, dass ich so gut wie gar nichts mehr trinken werde. Nur dann, wenn ich es wirklich will, trinke ich ein Bier, Alster, oder mal ein Glas Wein.
Und nicht selten kann ich mir Sätze anhören wie: Du bist echt langweilig.
Es gibt wenige, die meine Entscheidung so Akzeptieren, wie sie ist und immer wieder muss ich diskutieren, dass ich einfach nichts trinken möchte. Mir ist es inzwischen egal, ob mich jemand Langweiler nennt, oder allgemein wie er deswegen über mich urteilt. Ich habe für mich beschlossen, dass ich so Leben will und habe kein Problem mehr damit, dass Glas, was mir andauernd automatisch gefüllt wird, stehen zu lassen oder einfach mal nein zu sagen.

Ich finde es okay, wenn man meint trinken zu müssen und genaus finde ich es okay, wenn man nichts trinkt. Wichtig ist nur, dass man zu nichts gedrängt wird, was man letztendlich gar nicht möchte und in dem Moment dann auch nein sagen kann.


Kommentare

  1. Ich könnte mich immer über diese Menschen aufregen, die behaupten man sei ein Langweiler weil man nichts trinkt. Erstens weiß man doch nie warum das so ist (kann auch gesundheitliche Gründe haben, geht aber keinen was an) und zweitens kann das jeder handhaben wie er es möchte. :)
    Viele Grüße
    Juli von Lebenlautundleise

    GEWINNSPIEL

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  2. Liebe Anna,

    danke für den lieben Kommentar bei uns! Das Phänomen mit nichts trinken kenne ich zu gut. Allerdings hör ich das Wort Langweiler eher selten, ich hab da mehr mit allen anderen Vorurteilen zu kämpfen. Paradebeispiel: "Achsoooo bist du schwanger?" - ehm...nein. - "dann fährst du aber, oder?" - nein? - "nimmst du grad Antibiotika?" - immer noch nein - "ja aber warum trinkst du denn dann nichts?" - eil ich nicht möchte.
    Tjoah und schon sehen sie dich an, als hättest du Drogen genommen, gibt schließlich keinen rationalen Grund für die Abstinenz.
    Deswegen, ich kann dich sehr gut verstehen :)

    Liebste Grüße,
    Heidi von wilderminds.de

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  3. Danke für den schönen post.
    Ich trinke auch sehr wenig Alkohol, weil mir eben meistens nicht danach ist.
    Deswegen kenne ich die von dir berichteten Reaktionen nur zu gut.
    Toll, dass du nicht dem Gruppenzwang erliegst und deinem Grundsatz treu bleibst.
    Liebe Grüsse
    Sassi

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  4. Ein wirklich toller Post, Anna! Ich finde sowieso deine Texte sehr schön geschrieben, weiter so :)

    Viele liebe Grüße, Julia ☾ | www.serendipityblog.de

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  5. Sehr interessantes Thema und ich finde, das ist wieder ein typischer Fall von "You do you". Ob man Alkohol trinken mag oder nicht, ist ja jedem selbst überlassen. Ich finde es schade, dass man dann schnell als Langweiler dargestellt wird, denn man sollte nüchtern ja eigentlich genauso viel Spaß haben können.
    Ich sehe das genauso wie du, wer viel trinken will kan das tun und wer gar keinen Alkohol trinken mag genauso :)

    Caro x
    http://nilooorac.com/

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  6. Ein toller Post. Ich trinke auch seit einiger Zeit kaum mehr Alkohol und wenn dann nur 1-2 Gläser. Dieses Betrunken sein finde ich unangenehm und oftmals vergessen sich leider die Menschen dann völlig.

    Liebe Grüsse

    Priscilla

    BEAUTYNATURE

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  7. Ein toller Beitrag! Kann ich so nur unterschreiben, obwohl ich hin und wieder sehr gerne ein Gläschen Wein trinke.

    Liebe Grüße Jessy
    Kleidermaedchen.de

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  8. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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  9. Eine tolle Entscheidung die du da getroffen hast! Obowohl ich mich da auch frage, ob nur der Alkohol das Problem ist oder dein Umfeld, das diesen so unterstützt. Ich habe nie viel getrunken, deswegen habe ich es nie als Problem betrachtet. Da ich sowieso kein Partygirl bin, kam ich da auch nie in eine Zwickmühle. Hin und wieder am Wochenende ein Glas Wein zum Essen will ich mir aber nicht nehmen lassen :)
    Liebe Grüße ♡Kristina
    TheKontemporary

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  10. Hallo Liebes :)
    Erstmal finde ich es super mutig und klasse, dass du nicht auf andere hörst und dich beeinflussen lässt! Ich selber trinke auch sogut wie gar nichts mehr (höchstens mal ein glas wein oder sekt zu einem besonderen Anlass). Solche Sprüche oder Blicke musste ich auch über mich ergehen lassen, aber ich bin glücklich damit und brauch das nicht um Spaß zu haben :)

    Alles Liebe ❤

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    1. Vielen dank für dein liebes Kommentar! Es ist einfach schade das man sich immer wieder sowas anhören musste obwohl man ja selbst wissen sollte, was das Beste für einen selbst ist. Und du hast völlig recht. Man braucht nicht umbedingt Alkohol um Spaß zu haben. :)

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  11. Ein wirklich inspirierender Post! Ich finde immer, dass das jeder so halten sollte wie er will und finde es so schade, wenn manche einen als langweilig abstempeln, nur weil man nichts trinkt. Da hat doch das eine mit dem anderen nichts mit zu tun.
    Ich finde du machst das schon ganz richtig so, weil du genau das machst, was dir gut tut. :)

    Liebst,
    Any | Echo Of Magic

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  12. Liebe Anna, danke fürs Teilen deiner Gedanken! Ich hab da ähnliche Erfahrungen gemacht wie du. Ich trinke seit etlichen Jahren keine Alkohol mehr, war noch nie betrunken und dennoch wird auf fast jeder Feier mir noch versucht Alkohol anzudrehen. Mittlerweile allerdings mehr scherzhaft gemeint, aber trotzdem es nervt manchmal. Aber wie du es auch machst, man muss einfach zu seiner Entscheidung stehen, besonders wenn man weiß, dass sie richtig ist :) Also mach weiter so!

    Liebste Grüße! ❤ Saskia | www.demwindentgegen.de

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  13. Das ist ein toller Artikel, ich trinke schon seit 2011 keinen Schluck Alkohol mehr. Habe ich für mich beschlossen, dass es mir nicht gut tut. Ich kann auch ohne Alkohol peinlich sein, wenn viele sagen man sei langweilig sollen doch denken was sie wollen. Ich weiß, dass ich meiner Gesundheit damit etwas Gutes tue, nichts mehr zu trinken.

    War auch alles sehr lecker :)
    Alles Liebe Sara <3

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  14. Dass es immer noch Leute gibt, die es nicht akzeptieren oder es "dumm" finden, wenn man keinen Alkohol mehr trinkt..wirklich unverständlich!! Ich bewundere deinen Entscheid sehr und wünsche dir alles gute für deine Gesundheit :)

    Liebste Grüsse
    Swenja
    http://www.overtheview.ch

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  15. Hallo liebe Anna,
    erst mal: Ich mag deinen Blog sehr gerne - wie toll ist der Header bitte?:)
    Ich persönlich mag Alkohol gerne, trinke aber nur etwas mehr, wenn ich in einer Umgebung bin, in der ich mich zuhause fühle. Das heißt entweder wirklich zuhause oder mit meinen besten Freunden.
    Doch gerade wenn du wirklich Blackouts hattest und/oder dich sehr schlecht gefühlt hast, finde ich es toll und echt charakterstark von dir, dass du "nein" sagst.
    Liebste Grüße und einen schönen Abend,
    Sonja von http://searchingforkitsch.blogspot.de

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  16. Toller Post :)
    Sehe das genau so wie du. Jeder kann entscheiden, ob er etwas trinken möchte oder nicht :)
    Liebe Grüße,
    alina von http://alinapunkt.blogspot.de/

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  17. Sehr schöner Post - da ich selbst kaum Alkohol trinke kann ich diesen Beitrag nur unterschreiben!

    Liebe Grüße
    Jimena von littlethingcalledlove.de

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  18. eine sehr gesunde Einstellung liebe Anna!
    ich trinke zwar ganz gerne mal ein Glas Wein, aus Genuss. bin aber auch der Meinung, dass es keinen Alkohol braucht um Spaß zu haben :)

    ❤ Tina
    http://liebewasist.com

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  19. Ein guter Post. ich selbst trinke 2-3 mal im Jahr nur ein Gläschen Sekt oder Wein. Von Alkohol halte ich sonst nichts und trinke bei Partys immer nur Wasser oder mal ein Glas Cola. :-*

    liebe Grüße
    Melanie / www.goldzeitblog.de

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  20. Ich trinke auch nahezu keinen Alkohol - seit Jahren. Trotzdem darf ich mir - mit 34 Jahren - immer wieder anhören, was ich für ein Langweiler bin. Das ist mir aber völlig egal, mal sehen wer am Ende langweilig ist ;)

    Liebe Grüße,
    Sylvia

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  21. Ohje, dieses Thema beschäftigt mich grade sehr. Ich war vor 2,3 Jahren auch so eine Partymaus. Jetzt sind wahnsinnig viele "Freunde" verwirrt, wenn ich nicht mehr so viel trinken möchte. Der ganze nächste Tag ist einfach hin, wenn man sich so betrinkt. Außerdem hasse ich das Gefühl, die Kontrolle in gewissem Maß zu verlieren. Ich denke, man sollte sich dann einfach ein Umfeld suchen, was einem in dem neuen Lebensstil untersützt.

    Liebste Grüße,
    Alina von www.selfboost.de

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  22. Ehrliche Worte in denen ich mich teilweise wieder finde. Wahre Freunde akzeptieren deine Entscheidung und nennen dich nicht Langweiler!
    Liebste Grüße,
    Yasmin
    von www.muselinchensblog.de

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