Vom Hinfallen und Aufstehen

"Ich habe wirklich respekt, vor dem, was du machst." Ich schaue sie von der Seite an. "Warum?", frage ich verwundert. "Ich finde es bewundernswert, wie du einfach dein Ding durchziehst. Ich hätte mich das niemals getraut." Ich lasse mir diesen Satz durch den Kopf gehen. Das ist nur ein Satz von vielen. Nicht selten, sagen mir Menschen aus meinem Umfeld, wie mutig und stark ich bin, wie viel respekt sie haben, weil ich alles meistere und schaffe. Und dann denke ich mir jedes mal: Ich bin weder mutig, noch stark. Und meistern tue ich auch gar nichts.

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 Es war ein Sonntagmorgen, kurz vor halb elf, als ich die Nachricht las. Kann ich dich anrufen? Zuerst schob ich mein Handy beiseite. Ich wusste, dass etwas passiert sein muss. Ich versuchte diesen Gedanken zu verdrängen. In meinem Kopf ratterte es. Es war zwei Tage her, als ich realisierte, dass alles wieder in den Fugen war. Gerade seit zwei Tagen schien alles wieder perfekt zu sein. Zwei Tage. Diese zwei Tage gingen mir nicht aus dem Kopf. Schließlich griff ich zum Telefon und fiel aus allen Wolken. Wollte es nicht wahr haben. Konnte es nicht wahr haben. An diesem Tag weinte ich bestimmt an die fünfzehn mal. Am Montag ging ich zu meinem Hausarzt und ließ mich für die Woche krank schreiben.
Ab da gab es für mich nur zwei Optionen. Entweder ich bemittleidete mich selbst oder ich tat etwas.

Inzwischen sind fünf Tage vergangen. In diesen fünf Tagen habe ich in keiner Nacht mehr als vier Stunden geschlafen, kaum gegessen, weil mir alles auf den Magen geschlagen ist und dies stellenweise immer noch tut. Ich saß bis 2 oder 3 Uhr nachts vor meinem Laptop, telefonierte mit unglaublich vielen fremden Menschen, schrieb doppelt so viele Mails, rannte zur Post und wieder zurück, schwänzte Schule, um zu Terminen zu kommen und bekam gestern schließlich endlich die gute Nachricht.

Auch wenn es nach außen oft so scheinen mag. Ich bin nicht stark. Ich wurde in meinem Leben schon oft von Menschen verletzt und habe inzwischen gelernt, dass es maximal vier Personen im Leben gibt, auf die man immer zählen kann. Und diese Personen haben einen großen Teil dazu beigetragen, dass ich jetzt hier stehe, auf einem Auge wieder lachen kann, versuche alles auf die Reihe zu bekommen und einfach weiterzumachen. Trotz alledem kann man sich nicht davor schützen verletzt zu werden. Man kann sich ebensowenig davor schützen, dass Dinge passieren, die dein Leben aus der Bahn werfen werden. Es passiert einfach. Das Einzige, was man machen kann, ist versuchen, dass Beste aus allem zu machen, zu akzeptieren (verstehen muss man nicht alles) und dann weiterzuleben. Hinfallen ist okay und so lange liegenzubleiben, bis man wieder aufstehen kann auch.

Kommentare

  1. Liebe Anna,
    ich kenne dich zwar nicht persönlich, aber ich habe schon den Eindruck, dass du eine sehr starke Persönlichkeit hast. Und auch wenn es blöd klingt - stark wird man vor allem durch Verletzungen. Das beste aus allem zu machen ist auf jeden Fall die richtige Einstellung und wenn andere Personen einem sagen, dass man stark ist dann ist da auch was dran. Ich denke diese Art von Kompliment macht man nicht, wenn es nicht so gemeint ist. Und eins muss ich dir auch noch sagen: Wenn du 4 Menschen in deinem Leben hast, auf die du zählen kannst, dann sei glücklich darüber und stolz darauf. Denn ganz ehrlich glaube ich nicht, dass da jeder auf 4 oder gar mehr kommt, es ist schon ein Segen, wenn man 1 Person hat, auf die man sich verlassen kann. Ich hoffe das kommt jetzt nicht falsch rüber, ich will dich eigentlich nur motivieren diese positiven Aspekte noch mehr zu schätzen und das Negative nicht überwiegen zu lassen :-)
    Ganz liebe Grüße, Cindy

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  2. Ich kann Cindy nur zustimmen! Ich finde ehrlich gesagt auch, dass du eine starke Persönlichkeit hast. Alleine, dass du akzeptierst, dass man auch mal liegen bleiben darf, bevor man wieder aufsteht, zeugt von Stärke. Denn die, die immer nur stehen und nie hinfallen, weil sie nicht laufen, sind eher schwach, weil sie keinen Mut haben weiterzulaufen und Neues zu entdecken.

    Deshalb, immer den Kopf hoch!

    xx
    Josie von Warm Winters

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  3. Ich habe mich immer total durch meine Stärke definiert, dadurch, dass ich immer alles durchziehe etc. Irgendwann konnte ich meine Schwächen aber nicht mehr verdrängen und ich bin immer noch dabei sie als einen Teil von mir selbst anzunehmen und ebenso zu lieben. Das Leben ist nicht nur schwarz oder weiß..Ich glaube das ist wahre Stärke. :)
    Alles Liebe, Lea von http://leachristind.blogspot.com

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  4. Ich wünsche dir ganz viel Kraft und bin mir sicher, dass auch wieder bessere Zeiten kommen werden!
    Alles Liebe, Marie💗
    http://mariedyness.blogspot.de/

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  5. Ich bin keine Frau der großen Worte..
    Deinen Text habe ich aber gerne gelesen und mich auch ein klein wenig identifizieren können. Der Schein trügt einfach zu oft..

    Alles Liebe Anna ♡

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